Lebensgemeinschaft Bullerbü (Henstedt -Ulzburg)

Die SPLG Bullerbü liegt in Henstedt – Ulzburg.

In der SPLG leben drei Erwachsene, zwei Frauen ein Mann ( 51, 47, 51 )

5 Zimmer stehen für öffentliche Erziehung zur Verfügung. Davon sind 4 Plätze durch Mädchen ( 17, 7, 5, 2 J.) besetzt.

Jugendhilfe-Einrichtung (nach § 34 KJHG)

Die aktuelle Situation

Das Projekt Bullerbü existiert inzwischen seit Mai 2002. Zur Zeit sind drei von vier Pflegeplätzen belegt. Es handelt sich um Mädchen. Da diese fast durchgängig Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht haben, ist die Aufnahme von Jungen zur Zeit nicht möglich. Unsere Kinder sind:

Merle, 14, leibliches Kind von Sabine und Michael Schöb

Patricia, 14, seit Juni 2002 im Projekt

Mona Lisa, 11, seit August 2002 im Projekt

Tiffany, 10, seit August 2003 im Projekt.

Soziales Umfeld des Projektes Bullerbü

Wir leben in Henstedt-Ulzburg, genauer in Henstedt-Rhen. Es handelt sich um einen ländlichen Rahmen, der aber durch die AKN in nur 15 Minuten Hamburg erreichbar macht. In unmittelbarer Umgebung liegt die Grundschule und eine Realschule. Das Gymnasium, die Haupt- und Förderschule sind mit dem Schulbus zu erreichen. Zwei Kindergärten liegen nur wenige Minuten entfernt. Die Gemeinde verfügt über mehrere Sportvereine, Jugendtreffpunkte, Freibad. Die Grenzen zwischen Henstedt-Ulzburg und Norderstedt sind fließend, viele weitere Freizeiteinrichtungen (Arriba-Hallenbad) stehen dadurch zur Verfügung. Das Zweifamilienhaus Bullerbü liegt am Rand eines Naturschutzgebietes mit langen Rad- und Wanderwegen. In Henstedt-Rhen gibt es eine sehr rührige evangelische Kirchengemeinde, die ein großes Kinder- und Jugendprogramm anbietet. Alle unsere Mädchen sind z.B. mit großem Vergnügen und auf eigenem Wunsch Pfadfinder.

Betreuungspersonen

Sabine Schöb (40), staatlich anerkannte Erzieherin mit langer Berufserfahrung. Sie hat bisher und wird auch in Zukunft jede Möglichkeit der Fortbildung nutzen. Seit 1997 ist sie als Pflegemutter und Erziehungsstelle tätig gewesen. Erlebnisse in der Heimerziehung und ihre Erfahrungen mit dem Pflegekind ließen sie zu der Erkenntnis kommen, dass nur eine professionelle Ausbildung und Erziehung Kindern mit schweren Traumata helfen können. So beschloss sie, eine sozialpädagogische Lebensgemeinschaft zu gründen.

Michael Schöb (46), arbeitet bei Johnson & Johnson in der Nachtschicht. Deshalb steht er zumindest nachmittags und am Wochenende den Kindern für gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung (Tierpflege, Ausflüge mit dem Rad, Gartenarbeitsprojekte).

Corinna Hembd (45), Autorin, ist von Anfang an im Projekt dabei. Sie hat Pädagogik studiert, sich dann aber für den Journalismus entschieden. Inzwischen ist sie Vollzeit-Kraft in der Einrichtung.

Mögliche Aufnahmen

Unser Projekt ist kein Kleinstheim, sondern wir sind eine lebendige Familie, die sich gemeinsam allen Problemen stellt. Wir bieten Plätze für Kinder und Jugendliche, die auf den ersten Blick nicht familienverträglich erscheinen. Zum einen hat sich unsere „Wahlfamilie“ in den vergangenen Jahren als sehr standhaft erwiesen, zum anderen kann das Projekt Bullerbü eine sehr starke Betreuungsdichte bieten, die auf drei und nicht wie in einer klassischen Familie auf einem meist mütterlichen Schulterpaar ruht. Das heißt, dass die persönliche Belastbarkeit nicht über die Grenzen des Einzelnen hinaus getrieben wird.

Kinder mit besonderem Förderungsbedarf sind uns natürlich willkommen. Bedingt durch unsere Treppen sind Rollstuhlfahrer ausgeschlossen. Geistig behinderte Kinder können wir auch nicht in unser Projekt aufnehmen, weil wir nicht über einen ausreichenden Personalschlüssel verfügen.

Zielsetzung des Projektes

Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, Kinder durch Liebe, Vertrauen und Grenzsetzung zu lebenstüchtigen und lebensfrohen Menschen werden zu lassen. Verselbständigung ist dabei die wichtigste Zielsetzung.

Doch bevor ein Kind diese Schritte mit uns gehen kann, muss es die Chance bekommen, sich mit seiner Herkunftsfamilie und damit mit seiner Vergangenheit auseinander zu setzen. Auch dabei soll die neue Familiensituation den Einzelnen unterstützen. Das heißt, Familienkontakten gegenüber sind wir aufgeschlossen.

Eine Entlastung der Kinder aus ihren bisherigen Überforderungssituationen erreichen wir im Projekt mit relativ einfachen Mitteln: Statt wie bisher für Essen, Pflege und Organisation ihrer Geschwister sorgen zu müssen, dürfen sie jetzt wieder selbst Kind sein. Und das bedeutet, nur mal den Tisch zu decken oder die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Kleine Pflichten ersetzen die existenziellen Nöte von früher.

Pädagogischer Konsens

In der eigenen Erziehung aus drei völlig verschiedenen Kindheiten stammend, haben wir einige Grundsätze (so eine Art Hausregeln) für uns geschaffen, an die sich alle halten:

  • Wir erwarten von den Kindern, dass sie sich so gut entwickeln, wie sie können. Das heißt im Einzelfall, sie dort abzuholen, wo sie sind. Nicht unsere Erwartungen setzen die Ziele, sondern die kindlichen Möglichkeiten. Auf diesem Weg nutzen wir alle Möglichkeiten (z.B. Therapien, besondere Schulformen, Förderungsmaßnahmen aus jedem Bereich, auch in der Freizeit).
  • Eines unserer Grundprinzipien. lautet „Jeden Tag eine neue Chance“. Scheitert ein Kind an einer ihm gestellten Aufgabe, wird es mit Liebe und Verständnis erneut auf den Weg geführt, egal, wie oft das notwendig ist.
  • „Kinder brauchen Grenzen“ ist für uns nicht nur ein Buchtitel (Jan Uwe Rogge), sondern eine Überzeugung, die wir in jahrelanger pädagogischer Arbeit erfahren haben. Der angenehme Nebeneffekt für die Kinder: Eingehaltene Grenzen schaffen Vertrauen und Sicherheit, öffnen letztlich weite Tore in die Freiheit.
  • Selbst versuchen und nicht gleich auf unsere Hilfe zurückgreifen, lassen wir Kinder fast alles. Denn nur durch Geduld und Zähigkeit (mit kindgerechten Hilfen) erwerben sich die Kinder eigene Erfolge, die für das Selbstbewusstsein gerade sozialgeschwächter Kinder von großer Bedeutung sind.
  • Sicherheit, Schutz und Geborgenheit, sich darauf verlassen können, dass wir da sind und auch für die eintreten, ist ein ebenso wichtiger Punkt in unserem Leben. Das bieten wir Kindern.
  • Sich wehren und streiten lernen, Diskussionen führen und Argumente widerlegen – diese Fähigkeiten machen Kinder zu mündigen Erwachsenen. Unsere Familienkonstellation bietet ihnen eine Plattform zum Erlernen dieser Fähigkeiten.
  • Auseinandersetzungen mit einem Kind steht immer der durch, der mit dem Kind in die Situation geraten ist. Neben kollegialer Beratung beim Träger bietet der auch regelmäßige Supervision, die vom Team genutzt wird.
  • Der Fernseher, dient nicht, der Freizeitgestaltung, sondern darf nur nach Absprache und alters- bzw. verhaltensbedingt eingeschaltet werden. Nach unseren Erfahrungen sind fast alle von uns betreuten Kinder über Jahre vor dem Fernseher geparkt worden.
  • Hausarbeiten werden in der Lebensgemeinschaft je nach Alter der Kinder aufgeteilt.
  • Sauberkeit und Ordnung: Jedes Kind ist für sein Zimmer (altersgemäß) mit- oder später vollverantwortlich. Kontrollen in diesem Bereich sehen wir als Hilfen an, damit das Chaos nicht ein Übermaß erreicht, dem das Kind hilflos ausgeliefert ist.
  • Intim- und Privatsphäre zu haben und zu achten, ist etwas, dass den meisten öffentlich erzogenen Kindern genommen wurde. Deshalb gibt es bei uns scharfe Regeln im Umgang mit dem anderen. So dürfen die Kinder Zimmer anderer Kinder nur mit Erlaubnis des Kindes betreten. Das heißt, jedes Kind hat die Entscheidung, wer wann sein Zimmer betritt. Neben der geringeren Wahrscheinlichkeit von Diebstählen und Sachbeschädigungen bekommen die Kinder wieder ein Gefühl dafür, dass nicht jeder in ihren privaten Raum, eindringt. Die Betreuer klopfen auch bei kleineren Kindern an.
  • Kinder versorgen keine Haustiere. Wenn sie mit einem im Haus oder Garten lebenden Tier besonders viel zu tun haben, werden sie gern an der Pflege beteiligt. Und generell wird die Übernahme von Verantwortung gefördert. Es gibt aber kein muss für solche Aktivitäten.
  • Sportliche oder musikalische Aktivitäten der Kinder werden grundsätzlich gefördert und sollen auch von ihnen frei gewählt werden. Wir achten darauf, dass nicht mehr als zwei Nachmittage pro Woche für festgesetzte Aktivitäten verwendet werden, denn Außenkontakte mit Freunden halten wir ebenfalls für wichtig und förderungswürdig.
  • Familienaktivitäten reichen von Spielnachmittag über Back-und Kochprojekte bis hin zu Ausflügen. Ein festes Ritual sind inzwischen die einwöchigen Reisen in den Frühjahrs- und Herbstferien geworden. Kinder, Betreuer und die Hunde gehen dann gemeinsam auf Reisen. Im Frühjahr wird Deutschland erkundet und im Herbst fahren wir regelmäßig nach Dänemark.
  • Hausaufgaben werden je nach Alter betreut.
  • Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind uns wichtig .Nicht nur aber auch wegen der Sicherheit für die Kinder. Denn Verlässlichkeit ist zeitlebens eine wichtige Eigenschaft im Sozialleben (z.B. Beruf).

Spaß und Liebe

Beim Lesen des Konsenses ist uns aufgefallen, dass hier scheinbar etwas zu kurz kommt, was uns allen sehr wichtig ist: Wir haben ein Haus voller Liebe und Spaß. Wir versuchen jeden Tag mit unseren Kindern, zu lachen. Denn das ist schließlich der Grund für den Namen unseres Projektes: Bullerbü ist für uns Sinnbild einer glücklichen Kindheit. Dabei spielt der Schutz des ländlichen Lebens eine Rolle, aber auch die Freiheit und das Unterstützen von Selbständigkeit. Kinder sollen sich mutig das Leben erobern und es dabei wieder lieben lernen. Das ist unser größter Wunsch. Zärtlichkeit und Verständnis sollen Kinder, die bei uns aufwachsen, in ihr späteres Leben mitnehmen. Sie sollen erleben, was Zivilcourage bedeutet und Selbstbewusstsein entwickeln.

Unser Zoo


Unser Garten bietet unseren Kindern und den Haustieren viel Raum. So sind die Hunde (Irish Setter, ein Australian Shepherd, zwei Dackelinen) zeitweise im ausbruchssicheren Zwinger untergebracht. Zwerghasen und Meerschweinchen verfügen über ein umzäuntes Freigehege, das häufig von unseren Kindern besucht wird. Aquarienfische und weitere in einem kindersicheren Teich im Vorgarten und Vögel in einer Voliere ergänzen das Tierleben. Tierpfleger ist Michael Schöb.

Auf die Kinder hat das Zusammenleben mit den Tieren – nach unseren bisherigen Erfahrungen – sehr positiven Einfluss. Sie finden zu Tieren leichter Zugang als zu Menschen, weil sie von Tieren meistens nicht enttäuscht wurden. Und Tiere sind als „Geheimnisträger“ unersetzlich.