Lebensgemeinschaft Bullerbü (Henstedt -Ulzburg)

 

 

Jugendhilfe-Einrichtung

nach § 34 KJHG in
Kooperation mit

NORDLICHT
e.V.

Grubes Allee 26

22143 Hamburg



Die aktuelle Situation

Das Projekt Bullerbü existiert inzwischen seit Mai 2002. Es bietet  fünf  Pflegeplätze
für Jungen und Mädchen. Wie in einer Familie gibt es keine feste Altersstruktur.
Wir nehmen Kleinstkinder, Vorschüler, Schüler und Teenager auf.

Soziales Umfeld des Projektes Bullerbü

Wir leben in Henstedt-Ulzburg, genauer in Ulzburg-Süd. Es handelt sich um einen
ländlichen Rahmen, der aber durch die AKN Hamburg in nur 20 Minuten erreichbar
macht. In naher Umgebung sind alle Schulmodelle erreichbar. Zwei Kindergärten
liegen nur wenige Minuten entfernt. Die Gemeinde verfügt über mehrere
Sportvereine, Jugendtreffpunkte, Freibad. Die Grenzen zwischen Henstedt-Ulzburg
und Norderstedt sind fließend, viele weitere Freizeiteinrichtungen
(Arriba-Hallenbad) stehen dadurch zur Verfügung. Das Familienhaus Bullerbü
liegt am Rand eines Naturschutzgebietes mit langen Rad- und Wanderwegen. In
Henstedt-Rhen gibt es eine sehr rührige evangelische Kirchengemeinde, die ein
großes Kinder- und Jugendprogramm anbietet und auch für Ulzburg-Süd zuständig
ist. Einige unserer Kinder sind z.B. mit großem Vergnügen und auf eigenem
Wunsch Pfadfinder.

Betreuungspersonen

Sabine Schöb besetzt die Vollzeitstelle der Sozialpädagogin mit langer Berufserfahrung
und ist alleinige Trägerin des Projektes. Sie hat bisher und wird auch in
Zukunft jede Möglichkeit der Fortbildung nutzen. Seit 1997 ist sie als
Pflegemutter und Erziehungsstelle tätig gewesen. Erlebnisse in der
Heimerziehung und ihre Erfahrungen mit dem eigenenPflegekind ließen sie zu der
Erkenntnis kommen, dass nur eine professionelle Ausbildung und Erziehung
Kindern mit schweren Traumata helfen können. So beschloss sie, eine
sozialpädagogische Lebensgemeinschaft zu gründen. Corinna Hembd ist von Anfang
an im Projekt dabei. Sie hat Pädagogik studiert, absolvierte eine Ausbildung
zur Fachkraft für traumapädagogische Intervention und Beratung und arbeitet als
Vollzeit-Kraft in der Einrichtung.

Als Honorarkraft mit 20 Stunden die Woche ergänzt Vanessa Güttlich,
sozialpädagogische Assistentin in der Ausbildung zur Erzieherin, das Team.

Mögliche Aufnahmen

Unser Projekt ist offiziell (von Seiten des Familienministeriums Schleswig-Holstein)
ein Kleinstheim, aber im Alltag leben wir eine sehr lebendige Familie, die sich
gemeinsam allen Problemen stellt. Wir bieten Plätze für Kinder und Jugendliche,
die auf den ersten Blick nicht familienverträglich erscheinen. Zum einen hat sich
unsere „Wahlfamilie“ in den vergangenen Jahren als sehr standhaft erwiesen, zum
anderen kann das Projekt Bullerbü eine sehr starke Betreuungsdichte bieten. Das
heißt, dass die persönliche Belastbarkeit nicht über die Grenzen des Einzelnen
hinaus getrieben wird.

Kinder mit besonderem Förderungsbedarf sind uns natürlich willkommen. Bedingt durch
unsere Treppen sind Rollstuhlfahrer ausgeschlossen. Geistig behinderte Kinder
können wir auch nicht in unser Projekt aufnehmen, weil wir nicht über einen
ausreichenden Personalschlüssel verfügen. Soziale Behinderungen sind natürlich
nicht ausgeschlossen.

Zielsetzung des Projektes

Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, Kinder durch Liebe, Vertrauen und Grenzsetzung zu
lebenstüchtigen und lebensfrohen Menschen werden zu lassen. Verselbständigung
ist dabei die wichtigste Zielsetzung.

Doch bevor ein Kind diese Schritte mit uns gehen kann, muss es die Chance bekommen,
sich mit seiner Herkunftsfamilie und damit mit seiner Vergangenheit auseinander
zu setzen. Auch dabei soll die neue Familiensituation den Einzelnen
unterstützen. Das heißt, Familienkontakten gegenüber sind wir sehr aufgeschlossen.
Nach unseren Erfahrungen sind diese Kontakte sehr viel besser als Eltern, die
in der Erinnerung zu immer besseren Menschen stilisiert werden.

Eine Entlastung der Kinder aus ihren bisherigen Überforderungssituationen erreichen
wir im Projekt mit relativ einfachen Mitteln: Statt wie bisher für Essen,
Pflege und Organisation ihrer Geschwister sorgen zu müssen, dürfen sie jetzt
wieder selbst Kind  sein. Und das bedeutet, nur mal den Tisch zu decken oder
die Geschirrspülmaschine auszuräumen. Kleine Pflichten ersetzen die
existenziellen Nöte von früher.

Pädagogischer Konsens

In der eigenen Erziehung aus völlig
verschiedenen Kindheiten stammend, haben wir einige Grundsätze (so eine Art
Hausregeln) für uns geschaffen, an die sich alle halten:

v
Wir erwarten von den Kindern, dass sie sich so gut entwickeln, wie sie können. Das heißt
im Einzelfall, sie dort abzuholen, wo sie sind. Nicht unsere Erwartungen setzen
die Ziele, sondern die kindlichen Möglichkeiten. Auf diesem Weg nutzen wir alle
Möglichkeiten (z.B. Therapien, besondere Schulformen, Förderungsmaßnahmen aus
jedem Bereich, auch in der Freizeit).

v
Eines unserer Grundprinzipien
lautet „Jeden Tag eine neue Chance“. Scheitert ein Kind an einer ihm
gestellten Aufgabe, wird es mit Liebe und Verständnis erneut auf den Weg
geführt, egal, wie oft das notwendig ist.

v
„Kinderbrauchen Grenzen“ist
für uns nicht nur ein Buchtitel (Jan Uwe Rogge), sondern eine Überzeugung, die
wir in jahrelanger pädagogischer Arbeit erfahren haben. Der angenehme
Nebeneffekt für die Kinder: Eingehaltene Grenzen schaffen Vertrauen und
Sicherheit, öffnen letztlich weite Tore in die Freiheit.

v
Selbst versuchen und nicht
gleich auf unsere Hilfe zurückgreifen, lassen wir Kinder fast alles. Denn nur
durch Geduld und Zähigkeit (mit kindgerechten Hilfen) erwerben sich die
Kinder eigene Erfolge, die für das Selbstbewusstsein gerade
sozialgeschwächter Kinder von großer Bedeutung sind.

v
Sicherheit, Schutz und Geborgenheit,
sich darauf verlassen können, dass wir da sind und auch für die eintreten, ist
ein ebenso wichtiger Punkt in unserem Leben. Das bieten wir Kindern.

v
Sich wehren und streiten lernen, Diskussionen führen und Argumente widerlegen – diese Fähigkeiten machen Kinder zu
mündigen Erwachsenen. Unsere Familienkonstellation bietet ihnen eine Plattform
zum Erlernen dieser Fähigkeiten.

v
Auseinandersetzungen mit einem Kind steht
immer der durch, der mit dem Kind in die Situation geraten ist. Neben
kollegialer Beratung beim Träger bietet der auch regelmäßige Supervision, die
vom Team genutzt wird.

v
Glaube spielt in unserer Lebensgemeinschaft
eine wichtige Rolle. Wir sind Christen.

v
Der Fernseher dient nicht der Freizeitgestaltung,
sondern darf nur nach Absprache und alters- bzw. verhaltensbedingt
eingeschaltet werden. Nach unseren Erfahrungen sind fast alle von uns betreuten
Kinder über Jahre vor dem Fernseher geparkt worden.

v
Hausarbeiten werden in der Lebensgemeinschaft je nach
Alter der Kinder aufgeteilt.

v
Sauberkeit und Ordnung: Jedes Kind
ist für sein Zimmer (altersgemäß) mit- oder später vollverantwortlich.
Kontrollen in diesem Bereich sehen wir als Hilfen an, damit das Chaos nicht ein
Übermaß erreicht, dem das Kind hilflos ausgeliefert ist.

v
Intim- und Privatsphäre zu haben
und zu achten, ist etwas, dass den meisten öffentlich erzogenen Kindern
genommen wurde. Deshalb gibt es bei uns scharfe Regeln im Umgang mit dem
anderen. So dürfen die Kinder Zimmer anderer Kinder nur mit Erlaubnis des
Kindes betreten. Das heißt, jedes Kind hat die Entscheidung, wer wann sein
Zimmer betritt. Neben der geringeren Wahrscheinlichkeit von Diebstählen und
Sachbeschädigungen bekommen die Kinder wieder ein Gefühl dafür, dass nicht
jeder in ihren privaten Raum, eindringt. Die Betreuer klopfen auch bei
kleineren Kindern an.

v
Kinder versorgen keine Haustiere.
Wenn sie mit einem im Haus oder Garten lebenden Tier besonders viel zu tun
haben, werden sie gern an der Pflege beteiligt. Und generell wird die Übernahme
von Verantwortung gefördert. Es gibt aber kein Muss für solche Aktivitäten.

v
Sportliche oder musikalische Aktivitäten der
Kinder werden grundsätzlich gefördert und sollen auch von ihnen frei gewählt
werden. Wir achten darauf, dass nicht mehr als zwei Nachmittage pro Woche für
festgesetzte Aktivitäten verwendet werden, denn Außenkontakte mit Freunden
halten wir ebenfalls für wichtig und förderungswürdig.

v
Familienaktivitäten reichen von Spielnachmittag
über Back-und Kochprojekte bis hin zu Ausflügen. Ein festes Ritual sind
inzwischen die zweiwöchigen Reisen in den Herbstferien geworden. Kinder,
Betreuer und die Hunde gehen dann gemeinsam auf Reisen. Im Frühjahr wird
Deutschland erkundet und im Herbst fahren wir regelmäßig nach Dänemark.

v
Hausaufgaben
werden je nach Alter betreut.

v
Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
sind uns wichtig. Nicht nur aber auch wegen der Sicherheit für die
Kinder. Denn Verlässlichkeit ist zeitlebens eine wichtige Eigenschaft im
Sozialleben (z.B. Beruf).

Spaß und Liebe

Beim Lesen des Konsenses ist uns aufgefallen, dass hier scheinbar etwas zu kurz kommt, was uns allen sehr
wichtig ist: Wir haben ein Haus voller Liebe und Spaß. Wir versuchen jeden Tag
mit unseren Kindern, zu lachen. Denn das ist schließlich der Grund für den
Namen unseres Projektes: Astrid Lindgrens Bullerbü ist für uns Sinnbild einer
glücklichen Kindheit. Dabei spielt der Schutz des ländlichen Lebens eine Rolle,
aber auch die Freiheit und das Unterstützen von Selbständigkeit. Kinder sollen
sich mutig das Leben erobern und es dabei wieder lieben lernen. Das ist unser
größter Wunsch. Zärtlichkeit und Verständnis sollen Kinder, die bei uns
aufwachsen, in ihr späteres Leben mitnehmen. Sie sollen erleben, was
Zivilcourage bedeutet und Selbstbewusstsein entwickeln.

Unser Zoo

Unser Garten bietet unseren Kindern
und den Haustieren viel Raum. So sind die Hunde (Irish Setter, eine Boxerhündin,
Dackelinen, ein Mops) zeitweise im ausbruchssicheren Zwinger untergebracht.
Zwerghasen und Meerschweinchen verfügen über ein umzäuntes Freigehege, das
häufig von unseren Kindern besucht wird. Aquarienfische und Vögel in einer
Voliere ergänzen das Tierleben. Tierpfleger, Berater und Chef im Garten ist
Michael Schöb.

Auf die Kinder hat das Zusammenleben
mit den Tieren – nach unseren bisherigen Erfahrungen – sehr positiven Einfluss.
Sie finden zu Tieren leichter Zugang als zu Menschen, weil sie von Tieren
meistens nicht enttäuscht wurden. Und Tiere sind als „Geheimnisträger“
unersetzlich.

Unser Haus

Lange haben wir nach einem großen Haus
für unsere ungewöhnliche Familie gesucht, dann haben wir uns für das
Selbstbauen entschieden. Seit 1. Juli 2007 wohnen wir jetzt im eigenen Haus.
Jedes Kind hat ein eigenes Zimmer (alle über 12 m² groß), allen stehen zusammen
zwei Bäder zur Verfügung.